Wenn Geisteshaltungen löchrig werden: Eindrücke von der Potsdam Summer School 2017

Von Grace Mbungu

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Während sich in der letzten Woche über dem Atlantik ein beispielloses Wetterereignis entwickelte, das die Länder an der Golfküste und große Städte in den Vereinigten Staaten sowie Inselgemeinschaften in der gesamten Karibik traf, kamen am IASS über 40 junge Experten und Doktoranden aus mehr als 30 Ländern zusammen, um über “Menschliche Umwelten in einer sich verändernden Welt” zu diskutieren – das Thema der vierten Potsdam Summer School. Sie tauschten Ideen aus und reflektierten mit Forschern und Praktikern aus der ganzen Welt über Themen, die von der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu globaler Governance und Klimawandel, nachhaltiger Wissenschaft, systemischen Risiken und nachhaltiger Energie bis zur Zukunft von Städten und Luftqualität reichten. Obwohl von den Vortragenden und Teilnehmern viele Probleme aufgeworfen wurden, ging es vor allem um das Konzept der Nachhaltigkeit und die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen. Die Teilnehmer waren sehr an der Frage interessiert, wie man das Nachhaltigkeitskonzept in lokalen Kontexten der Entwicklungsländer und der entwickelten Welt am besten vermitteln kann, sowie an praktischen Strategien zur Umsetzung der SDGs, um den Bedürfnissen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen gerecht zu werden und gleichzeitig die Grenzen unseres Planeten zu berücksichtigen.

Die unterschiedliche Herkunft der Teilnehmer der Potsdam Summer School sorgte für anregende Diskussionen. (c) IASS/Rolf Schulten

Die unterschiedliche Herkunft der Teilnehmer der Potsdam Summer School sorgte für anregende Diskussionen. (c) IASS/Rolf Schulten

Von dreißig Ländern lernen und umlernen

Die Zusammenkunft einer solch breiten Vielfalt von Ideen und Kulturen bot eine optimale Voraussetzung, um zu lernen und umzulernen. Als Teilnehmerin wurde ich sowohl angeregt als auch herausgefordert, was insgesamt meiner gegenwärtigen Promotionsarbeit und meinen Forschungs- und Berufszielen zugutekommt. Die Teilnahme an dieser Summer School zeigte mir die Bedeutung einer solchen Lernsituation für Nachwuchsforscher und Experten wie auch für politische Entscheidungsträger, an der Umsetzung beteiligte Akteure, Nutznießer und betroffene Gemeinschaften. Ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Vision vom SDG-Rahmen zu entwickeln, kann beispielsweise für die Implementierung und Nachhaltigkeit der Ergebnisse nur nützlich sein. Der Versuch, die Lücken beim Verständnis und der Formulierung der Herausforderungen, Visionen, der beabsichtigten und nicht beabsichtigten Resultate und Konsequenzen bei den verschiedenen Akteuren und Interessenvertretern zu schließen, schafft die Grundlage für die Beziehungen untereinander und für gegenseitiges Vertrauen, die entscheidend für den Erfolg und die Nachhaltigkeit für jede Vision von Entwicklung und jedes Projekt sind – sei es auf individueller oder auf Gemeinschafts-, Landes-, regionaler oder globaler Ebene. Genau dies wurde bei dieser Summer School versucht, indem man die Denkprozesse und die Einstellungen der Teilnehmer aus ihrer Verengung befreite und ihnen eine umfassendere Sicht auf die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, eröffnete, aber auch auf die möglichen Wege und Chancen,  sie in einem hochgradig interaktiven Umfeld anzugehen.

“Ein gesundes Leben für alle”: das Manifest

Ein wichtiges Ergebnis der Diskussionen im Rahmen dieser zehntägigen Veranstaltung ist das Manifest der Teilnehmenden, das in der Präambel den Wert “des Lebens in einer Gesellschaft informierter und handlungsbewusster Mitglieder [aufzeigt], die eine nachhaltige Entwicklung im Sinne eines gesunden Lebens für alle vorantreiben”. Die wichtigsten Empfehlungen für das Erreichen dieser Ziele werden im Manifest beleuchtet und beinhalten:

  • die Anwendung transdisziplinärer Methoden, um das komplexe Problem des Klimawandels zum einen durch die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Experten der verschiedenen Felder zu lösen, zum anderen, indem lokale Gemeinschaften und Regierungen mit den relevanten Experten, Aktivisten und NGOs in Kontakt gebracht werden.
  • die Integration sauberer, erschwinglicher und erneuerbarer Energien auf lokalen und globalen Ebenen;
  • die Anwendung innovativer Methoden für eine breitere Teilnahme an der politischen Planung; Schaffung eines Gleichgewichts zwischen Top-down- und Bottom-up-Prozessen; und die Kombination verschiedener Methoden zur Förderung von Partizipation.
  • die Förderung urbaner Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Initiativen, von Investitionen in dezentralisierte, erneuerbare Energiequellen, der Entwicklung grüner und energieffizienter Technologien und der Verwendung grüner Räume als “Biokorridore” in urbanen Bereichen.
  • die Durchführung kollektiver partizipatorischer Übungen mit Akteuren und Experten, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie Probleme auf eine für beide Seiten gewinnbringende Art und Weise anzugehen sind.
  • die Erhöhung der Effizienz weltweiter Kooperationen und Partnerschaften unter Beteiligung aller Interessenvertreter und interessierten Parteien sowie eine Stärkung internationaler Übereinkommen und Organisationen;
  • Gewährleistung von Geschlechtergleichheit und inklusiver Beteiligung aller relevanten Akteure und interessierten Parteien im Prozess der Eindämmung des Klimawandels sowie Schaffung effektiver Rahmenbedingungen für die Förderung von Technologien zur Gewinnung erneuerbarer Energien und zur Überbrückung der Leerstellen zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Als Region mit zahlreichen historischen Stätten und Forschungsinstitutionen im Bereich der Nachhaltigkeit war das Land Brandenburg ein passender Gastgeber für eine Summer School mit dem Titel “Erde, Nachhaltigkeit, Governance: Menschliche Umwelten in einer sich verändernden Welt”. Doch der Erfolg und die Resultate dieses Jahres wurden durch die Vorbereitung und die organisatorische Erfahrung verschiedener Mitarbeiter vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, dem Deutschen GeoForschungszentrum GFZ, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK und der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit der Stadt Potsdam möglich gemacht. Also … vielen Dank euch allen!

Foto oben: IASS/Rolf Schulten

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